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Lehrbeauftragte verdienen mehr!

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Lehrbeauftragte verdienen mehr!

ver. di unterstützt die Proteste der Lehrbeauftragten für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Honorar und ruft zur Teilnahme an bundesweiten Protestaktionen auf!

Lehrbeauftragte arbeiten meist unter prekären Bedingungen. Sie gelten nicht als Beschäftigte, arbeiten freiberuflich und beziehen dabei oft den Hauptteil ihrer Einkünfte aus diesen Lehraufträgen. Ihre Verträge können jederzeit ohne Einhaltung von Kündigungsfristen einseitig gekündigt werden. Ihre Honorare werden einzelvertraglich ausgehandelt. Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall sind für sie ebenso unrealistisch wie bezahlter Urlaub, Mutterschutz oder Absicherung bei Arbeits- und Wegeunfällen. Sie müssen für ihre Renten- und Krankenversicherung selbst sorgen. Trotz vergleichbarer Berufsabschlüsse und vergleichbarer Arbeit verdienen sie nur einen Bruchteil dessen, was ihre fest angestellten Berufskolleg/-innen erhalten. Eine gesicherte Lebensplanung seitens der Betroffenen ist oft nicht möglich. Und wenn nichts geschieht, werden sie im Alter bitterarm sein. Wir wollen diese Zustände nicht länger hinnehmen!

In der Vergangenheit waren Lehrbeauftragte an Hochschulen oft Personen, die neben ihrer eigentlichen Berufstätigkeit, den Studierenden in zusätzlich angebotenen universitären Lehrveranstaltungen Spezialkenntnisse zur Verfügung gestellt haben. Die seit Jahren gängige Praxis ist allerdings eine andere. Die völlig unzureichende Grundfinanzierung der Hochschulen in Deutschland führt dazu, dass in vielen Fächern Pflicht-Lehrveranstaltungen ohne Vergabe von Lehraufträgen gar nicht mehr realisiert werden könnten. Was früher Arbeit von gut bezahlten Professor/-innen war, wird heute in weiten Teilen von Lehrbeauftragten erledigt, die in den allermeisten Fällen kein zweites berufliches Standbein haben.

Viele der Betroffenen müssten deshalb schon lange als arbeitnehmerähnliche Personen (Tarifvertragsgesetz § 12 a) eingestuft werden. Das gilt für alle Lehrbeauftragten, die von ihrer Lehrtätigkeit wirtschaftlich abhängig und - vergleichbar einem Arbeitnehmer - sozial schutzbedürftig sind. Nämlich dann, wenn sie aufgrund von Dienst- oder Werkverträgen überwiegend (mehr als 50% der Arbeitszeit) für einen Auftraggeber tätig sind oder ihnen von einem Auftraggeber im Durchschnitt mehr als die Hälfte des Entgelts gezahlt wird, das ihnen für ihre Erwerbstätigkeit insgesamt zusteht. Personen, die künstlerisch, journalistisch oder schriftstellerisch in diesem Sinne tätig sind, gelten bereits als arbeitnehmerähnliche Personen, wenn sie im Durchschnitt mindestens ein Drittel ihres Entgeltes bei einem Auftraggeber verdienen.

Was die meisten nicht wissen: Für arbeitnehmerähnliche Personen gilt das Bundes-urlaubsgesetz. Sie haben Anspruch auf 20 Tage bezahlten Urlaub im Jahr.
Doch nicht einmal der Anspruch auf bezahlten Urlaub wird den Betroffenen gewährt.

Auch wenn dies der Intention der Landeshochschulgesetze zuwider läuft, setzen mittlerweile Universitäten massenhaft Lehrbeauftragte ein, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. In Sprachschulen, Volkshochschulen und bei anderen Auftraggebern ist dies ohnehin der Fall. Aber an die Gesetze, die wenigstens eine minimale soziale Absicherung von Lehrbeauftragten im Hauptberuf vorsehen, halten sie sich dabei nicht.

ver.di begrüßt und unterstützt ausdrücklich den Protest der Lehrbeauftragten gegen ihre prekären Arbeitsbedingungen und die daraus resultierenden Lebensbedingun-gen. Denn: Gleiche Arbeit bei gleicher Ausbildung muss auch gleich vergütet werden. Wir treten dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen von Lehrbeauftragten deutlich verbessert werden. Deshalb finden wir es wichtig, dass sie ihre Interessen bündeln und sich gemeinsam gegen die prekären Bedingungen wehren.

ver.di kann sie dabei unterstützen, ihre Forderungen gegenüber den Auftraggebern durchzusetzen.

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